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Wikileak und Austria

13.12.2010 11:12

Man mag zu den Veröffentlichungen von Wikileak stehen wie man will. Auch wenn jemand glaubt, Gutes zu tun, auch wenn jemand tatsächlich Gutes tut, auch wenn jemand der breiten Öffentlichkeit die Augen öffnet, bleibt die, manchmal zynische, Frage: Verstößt er damit gegen irgendein bestehendes Gesetz in irgendeinem Land?

Nur dann, wenn es gelingt, dieses bestehende Gesetz durch die „Ergreiferprämie“ zu kippen, geht ein solches Abenteuer sanktionslos aus. Meistens aber nicht. Dann bleibt es ein Delikt und der Delinquent hat die dafür vorgesehenen Konsequenzen rechtlich zu tragen.

Andererseits aber erfahren wir dadurch, was die mächtigen US-Amerikaner so über die österreichischen Politiker denken:

  • Unser Kanzler Faymann kümmert sich nicht um die Außenpolitik der Großmacht Österreich, ihm sind die Österreicher wichtiger…
  • Unser Außenminister Spindelegger kümmert sich im Ausland bloß um das Wohl unserer österreichischen Wirtschaft, und nicht um den Raketenstandort Polen…
  • Unser Verteidigungsminister Darabos weigert sich, das österreichische Bundesheer in Afghanistan einmarschieren zu lassen, oder zumindest einen amerikanischen Flugzeugträger für die Donauschifffahrt anzuschaffen…
  • Und überhaupt führe man Gespräche mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran, anstatt denen den Krieg zu erklären…

Wenn er das so liest, wird Ihrem ergebenen Dr. W ganz warm ums Herz. Plötzlich fällt ihm die immense Bedeutung Österreichs wie Schuppen von den Augen und er weiß: Wir sind doch der absolute Mittelpunkt der Welt! Ohne uns geht eigentlich gar nichts. Auch die Nachforschungen in der Geschichte geben sofort einiges her, man denke nur an Braunau!

Wir brauchen aber unbedingt eine neue Politikergeneration. Eine, welche den Amerikanern und dem schäbigen Rest der Welt sagt, was zu tun ist. Und nicht solche Waschlappen wie die derzeitigen, denen es bloß um das wirtschaftliche und persönliche Wohl ihrer Österreicher geht. Dieses lächerliche friedliche Zusammenleben gehört beendet. Also daher, alle Österreicher: Auf in den Krieg! Damit die amerikanische Administration dann von uns sagen kann: „Wir haben noch ein paar solche getreuen … gefunden!“

So, nun hat Ihr Dr. W. leider keine Zeit mehr für Sie als Klienten oder seine Familie, denn er rückt jetzt wieder beim Bundesheer ein…

Das wird ihm sicher viel Spaß bereiten, meint

Ihr ergebener Dr. W.