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Gedanken zu den Banken...

12.03.2007 08:00

Werte Klienten und geschätzte Leser!

Nachdem Ihr ergebener Dr. W. laufend um seine Meinung über die Auswirkungen der derzeitigen Finanzkrise, insbesondere auf die Realwirtschaft, befragt wird, erlaubt er sich ein paar sehr simple Überlegungen:
Zentrale Überlegung dazu ist, dass in den letzten Jahren das klassische Bankgeschäft einfachster Art – die Hereinnahme von billigen Sparbuchgeldern und die Vergabe von teureren Firmen- und Privatkrediten – den Bankmanagern (Dr. W. hört seit einiger Zeit auch den Ausdruck „Banksters“) nicht mehr hoch genug rentierte. Sie häuften zunehmend Nostro-Portfeuilles an und spekulierten mit diesen Geldern als Finanzinstrumente auf eigenes Risiko der Bank. Dabei wurden teilweise höhere Renditen erzielt als im klassischen Banking, teilweise wurden aber auch Großbanken in den Sand gesetzt, weil man sich eben verspekulierte.
Zu groß war die Gier vereinzelter Topmanager, welche Renditen von 15-20 % gern auch als ganz verständlich erwirtschaftbar darstellten und nach dieser Erwartung ihre eigenen, in unvorstellbarer Höhe und durch nichts mehr gerechtfertigten Gehälter und Bonifikationen bezogen.
Die Folgen solcher Handlungen sind in der Finanzwissenschaft aber längst bekannt:
Es werden Spekulationsblasen aufgebaut, welche irgendwann einmal wie ein übervoller Luftballon platzen müssen. Jeder dieser Bankmanager meint aber, er sei klüger als die anderen und er werde schon rechtzeitig – d.h. knapp vor dem peak – wieder aus den Papieren herauskommen. Das entspricht übrigens der österreichischen Selbsteinschätzung, wo einer Befragung nach 75 % der Österreicher angeben, „überdurchschnittlich gute“ Autofahrer zu sein!
Wenn aber in den wirklich riskanten Spekulationsgeschäften mit Derivaten, Zinsswaps und Währungsoptionen etc. hohe Renditen zumindest möglich sind, warum sollte die Bank das vorhandene Geld der Wirtschaft zur Verfügung stellen, wo der Preis doch wesentlich geringer ist? Noch dazu, wenn man Basel II in der Hinterhand hat, womit man in der Praxis wirklich jeden Kreditantrag zart lächelnd abschmettern kann?
Also ging das Geld, das brave Spareinleger einzahlten oder das man sich von der EZB zu 3,25% ausborgte, nicht wie vorgesehen um 4,75-5,5% in die Wirtschaft, sondern in hochriskante, spekulative Derivatgeschäfte.
Bekanntlich ist jetzt einiges schief gegangen, mehr noch, die Blase ist geplatzt! Nun soll der berühmte „kleine Steuerzahler“, sprich die Unternehmer und auch die Privaten mittels Staatsgarantie und Staatszuschuss dafür sorgen, dass die von den „Banksters“ verschuldeten Spekulationsverluste aufgefangen werden und die Banken weiterhin bilanzieren können! Das schlägt wohl dem Fass den Boden aus. Derjenige Unternehmer, der selber nicht weiter wachsen kann, weil ihm seine Bank die Finanzierung (oder oft nur restliche Finanzierung) seiner geplanten Investitionen kalt lächelnd mit Verweis auf Basel II verweigert hat, soll jetzt dafür einstehen, dass die Fehlleitungen der Gelder nicht zum Konkurs der Bank führen?
Ihr ergebener Dr. W. ist kein Freund von Sozialisierungen, sprich Verstaatlichungen. Dazu ist er schon zulange auf der Welt, hat die Erfahrungen aus dem Ostblock, aus der DDR und als letztes Refugium aus Kuba hautnah miterlebt. Das Zauberwort heißt tatsächlich Eigentum, ein simpler Zweizeiler sei gestattet:
„Eigentum- da kümmert jeder Mensch sich drum!“
Darum aber – auf den Punkt gebracht – geht es. Nur die Freiheit des Eigentums garantiert uns den wirtschaftlichen Wohlstand, in dem wir in Westeuropa und Nordamerika seit Jahren schwelgen.
Wie lösen wir aber die Bankenproblematik? Dazu muss man vorweg einmal wissen, was derzeit im großen Rahmen los ist: Derzeit erhält quasi überhaupt niemand mehr einen Kredit. Daher geht auch überhaupt nichts mehr weiter. Was aber tun die „Banksters“ mit dem vielen Geld, das ihnen ja nach wie vor zufließt? Spekulieren sie munter damit weiter, als ob nichts passiert wäre? Nein, das trauen sie sich derzeit nun doch nicht mehr, auch sie haben – wie die meisten Menschen – Angst vor Gefängniszellen. Statt aber dieses Geld endlich der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, legen sie es jetzt – man höre und staune – mit 2,75% verzinst bei der EZB an! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die „Banksters“ borgen sich von der EZB um 3,25% Geld, um es gleichzeitig bei der EZB mit 2,75% Ertrag anzulegen! Sie glauben es nicht, geneigter Leser? Ihr ergebener Dr. W. konnte es auch tagelang nicht glauben. Aber immerhin sind diese bei der EZB veranlagten Gelder derzeit über 200 Milliarden Euro!
Wie lautet der Lösungsvorschlag?, werden Sie berechtigt fragen. Auch der ist eigentlich ganz simpel: Eine Bank ist nicht gleich eine Bank. Das Model der europäischen Universalbanken ist tot. Es muss auf europäischer Ebene eine strikte Zweiteilung der Banken kommen:
- Geschäftsbanken, welche das klassische Banking wie eingangs beschrieben betreiben und die maximal Depots für Kunden führen dürfen, jedoch aktiv keinen Wertpapierhandel betreiben. Diese nehmen Spareinlagen herein und bekommen Geld von der EZB und den nationalen Notenbanken.
- Oder, strikt getrennt davon, mit ganz klarer anderer Eigentümerstruktur, das Investmentbanking, wo alle Spieler, Zocker und Banksters sich treffen können, sich gegenseitig aussackln, abzocken und fertigmachen dürfen. Jeder normale Bürger muss aber sofort erkennen, ob er sich in eine seriöse Bank begibt, oder in einen Spielsalon des Investmentbanking, wo durchaus die Casinos Austria, die österreichischen Lotterien, die Novomatik und schlussendlich selbst BWIN auch mitmachen dürfen. Wer unbedingt sein Geld los werden will, kann es dort verwetten. Aber keinerlei Staatshaftung für Gambler!
Ihr ergebener Dr. W. nimmt an, dass er mit dieser Gedankenwelt, welche investitionsfreudig und wirtschaftsnah ist, in Österreich nicht allein dasteht. Er fragt sich allerdings, wo jene Berufenen sind, die diese Veränderungen auch angehen? Die derzeit heraufbeschworene Wirtschaftskrise auch der Realwirtschaft wäre um ein spürbares verminderbar, wenn die gewerbliche Wirtschaft das Investitionskapital zur Verfügung gestellt bekäme, dass sie wirklich benötigt.

Ihr ergebener Dr. W.